Anlagestrategie in Krisen treu bleiben

Weltuntergangspropheten haben schon seit geraumer Zeit Hochkonjunktur. Denn die Zahl und Komplexität der Krisen in den vergangenen Jahren war erheblich. Es kam zu politischen Ereignissen wie dem Brexit oder dem Wahlsieg von Donald Trump, Anfang 2020 folgte der Ausbruch der Corona-Pandemie und dann im Februar diesen Jahres der Einmarsch Russlands in der Ukraine. Jedes Mal reagierten die Märkte mit massiven Abschlägen.

In diesem Jahr, als die Inflation massiv anstieg und die Zinsen entsprechend kletterten, betraf das zudem nicht nur Aktien, sondern auch die Anleihemärkte. Selbst sichere Staatsanleihen wiesen plötzlich erhebliche Verluste auf. Zugleich verbreiten Medien Weltuntergangsstimmung.

„Es kann kaum verwundern, wenn Anleger beginnen, an ihrer Anlagestrategie zu zweifeln“, sagt Christian Dagg, geschäftsführender Gesellschafter der Brilliant Vermögensverwaltung aus Düsseldorf. Und das gilt umso mehr, da sich gleichzeitig im Zuge solcher Ereignisse auch noch neue Chancen zu eröffnen scheinen. „Natürlich lag es nahe, nach dem Ausbruch der Pandemie auf Biotechnologie- und Pharmaunternehmen zu setzen, nach Kriegsausbruch boten sich Waffenhersteller an“, stellt der Experte fest.

Eher nachkaufen statt verkaufen

Doch stellt sich damit die Frage, ob solche Versuche, mit Umschichtungen im Portfolio auf kurzfristige Ereignisse an den Börsen und in der Welt wie benannte Krisen zu reagieren, wirklich sinnvoll und Erfolg versprechend sind. „Unserer Erfahrung nach kann man sich dem Impuls, auf solche Ereignisse – und das gilt für private wie auch für professionelle Investoren – zu reagieren, nur sehr schwer entziehen“, weiß Dagg auch aus eigener Erfahrung. „Aber in der Vergangenheit haben wir auch festgestellt, dass ein solches Vorgehen zum Scheitern verurteilt ist.“

Stattdessen empfiehlt der erfahrene Finanzexperte unbedingt an der eigenen Anlagestrategie festzuhalten. Und stattdessen, wenn der Kursrückgang sehr stark ausfällt, eher über das Nachkaufen nachzudenken. „Natürlich ist es verständlich, dass der Gedanke an weitere Investments in einem turbulenten Markt Anleger erst einmal nervös macht“, so der Honorarberater weiter. „Aber es könnte hilfreich sein, sich in solchen Situationen ein paar wichtige Punkte vor Augen zu führen.“

Zum Beispiel, dass der Beginn einer Pandemie oder der Einmarsch Russlands in der Ukraine ja nicht das Ende der freien Marktwirtschaft bedeutet. „Das heißt, das Umfeld und der Rahmen bleiben folglich erst einmal bestehen“, sagt Dagg. Soweit es die Kursverluste nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges betrifft, war zu diesem Zeitpunkt eine Korrektur zudem überfällig. Historisch gibt die Börse im Schnitt alle 362 Tage über zehn Prozent nach. Seit dem Corona-Crash aber lief der Aufwärtstrend – ohne Unterbrechung – bereits 22 Monate.

Starke Erholung nach Krisen

Außerdem verkaufen Privatanleger auch stets zu spät. Das heißt, in dem Augenblick in dem sie aus dem Markt gehen, realisieren sie bereits Verluste, da die Kurse schon gefallen sind. „Und da an der Börse zum Wiedereinstieg auch nicht geklingelt wird, verpasst man in der Regel die anschließende Erholung“, so Dagg. Aus diesem Grund ist es eine schlechte Idee, den Markt zu verlassen. Natürlich weiß niemand, ob es kurzfristig noch weiter nach unten geht oder nicht. „Langfristig aber werden sich die Märkte, solange wir eine funktionierende Marktwirtschaft haben und es nicht zum Untergang der Welt kommt, in diesem Fall wäre es übrigens egal, wo man investiert ist, stets wieder erholen“, führt der erfahrene Honorarberater weiter aus.

In der Vergangenheit aber fielen die Kursgewinne gerade nach Krisen und heftigen Kurseinbrüchen sehr dynamisch aus. „Deshalb kann es attraktiv sein, gerade in Krisenzeiten auch mal nachzukaufen“, macht Dagg klar. Wichtig ist dabei aber, der eigenen Strategie treu zu bleiben. „Der Versuch diese zu ändern, indem man auf die Gewinner einer neuen Entwicklung setzt, birgt mehr Risiken als Chancen“, erklärt der Experte. Natürlich war es mit Beginn des Ukraine-Krieges naheliegend, auf steigende Rüstungsausgaben zu spekulieren.

„Erstens aber bedeutet das womöglich ein Abweichen von der eigenen Anlagestrategie, zweitens tun dies auch andere Anleger, was die Kurse der entsprechenden Firmen nach oben treibt, und drittens kommt es dann doch wieder anders als gedacht“, warnt der Experte. „Deshalb schaden solche Kurswechsel mehr als sie nutzen.“ Wer also nachkauft, sollte dabei seiner eigenen, individuell passenden Strategie treu bleiben. „Das ist der beste Rat, den ich Anlegern in Krisensituationen, die auch künftig immer wieder auftreten werden, geben kann“, so Dagg´s Fazit.

Quelle: Brilliant Vermögensverwaltung für den Mittelstand GmbH / iris albrecht finanzkommunikation GmbH

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