Donnerstag , 30. September 2021

Wärmepumpen: Vorsicht vor Fehlinvestitionen

„Nie mehr Heizkosten“ oder „Heizkosten auf ein Viertel reduziert“ – mit solchen Slogans wird derzeit massiv für den Einbau von elektrischen Wärmepumpen geworben. Was für Heizungsbauer und Stromversorger ein lukratives Geschäft bedeutet, zahlt sich für die privaten Auftraggeber nicht immer aus. Die Investitionskosten in die grundsätzlich sinnvolle Alternative sind deutlich höher als bei konventionellen Öl- und Gasheizungen. Von einem wirtschaftlichen und ökologischen Vorteil profitieren Nutzer nur dann, wenn die Voraussetzungen im Haus und Umfeld stimmen – etwa wenn Erdwärme oder Grundwasser in Verbindung mit einer Niedertemperaturheizung genutzt werden.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt dringend, bei Neubau oder geplanter Sanierung den Rat unabhängiger Fachleute einzuholen und von der Heizungsbaufirma eine Effizienz-Garantie zu verlangen. Vor der Entscheidung für eine Wärmepumpe sollten Sie auf alle Fälle folgende Punkte beachten:

  • Funktionsprinzip von Wärmepumpen: Energie gewinnen und dabei fossile Brennstoffe sparen – nach diesem Prinzip funktionieren Wärmepumpen. Sie entziehen der Luft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Wärme und geben diese an die hauseigene Heizung und Warmwasserversorgung ab. Eine Technik, für die es sogar Fördergelder gibt, da ein Großteil der Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen abgezapft wird.
    Nachteil: Das Gerät wird mit Strom betrieben. Damit unterm Strich Kosten- und Umweltvorteile erhalten bleiben, muss die Anlage sehr effizient betrieben und der Strom möglichst umweltschonend erzeugt werden.
  • Nicht jeder Typ geeignet: Besonders effizient können Erdreich- und Grundwasser-Anlagen meist nur im Neubau genutzt werden. Außenluft-Wasser-Wärmepumpen werden aufgrund ihrer relativ niedrigen Investitionskosten und ihres geringen Flächenbedarfes häufig als Ideallösung für eine Altbausanierung angepriesen. In der Kosten- und Öko-Bilanz schneidet dieser Typ jedoch besonders schlecht ab.
    Zwar werden Wohnung und Warmwasser auch bei klirrender Kälte ausreichend warm. Ein böses Erwachen kann es für Sie allerdings bei der Stromrechnung geben, da die fehlende Energie durch Heizstrom ergänzt wird. Dieser wird nicht zum günstigeren Wärmepumpentarif, sondern zum normalen Haushaltstarif abgerechnet.
  • Hinweise für alle Anlagen: Am ehesten lohnt sich der Einbau einer Wärmepumpe bei einem Neubau oder im Rahmen einer Grundsanierung. Geeignet sind vor allem ein gut gedämmtes Haus und eine Heizung, die für eine niedrige Temperatur ausgelegt sind, etwa eine Fußbodenheizung. Der Anlagenbauer sollte eine Jahresarbeitszahl je nach Wärmequelle von mindestens 3,3 für Außenluft bzw. 3,8 für Grundwasser oder Erdreich schriftlich garantieren.
    Wenn Sie Strom zum günstigeren Wärmepumpentarif beziehen möchten, müssen Sie dies mit Ihrem Versorgungsunternehmen gesondert vereinbaren. Um die üblichen Abschaltzeiten zu überbrücken, ist zusätzlich – außer bei Fußbodenheizung – ein Pufferspeicher vorzusehen. Auch das Trinkwarmwasser sollten Sie mit der Wärmepumpe erwärmen.
  • Planung für Neubau: Wärmepumpen in neuen Gebäuden sollten ohne Zusatzheizung auskommen. Vor einer Installation sollten Sie Rahmenbedingungen wie Wasserverhältnis und Bodenbeschaffenheit unbedingt prüfen (lassen). Eine Flächenheizung mit einer Vorlauftemperatur von maximal 35 Grad Celsius ist hierbei zu bevorzugen.
  • Sanierung von Gebäuden: Wichtig beim Austausch eines Heizungs-Oldie gegen eine Wärmepumpe ist eine sehr gute Wärmedämmung des gesamten Gebäudes. Die Heizungsvorlauftemperatur darf auch bei niedrigen Außentemperaturen 50 Grad Celsius nicht übersteigen. Unter Umständen müssen Sie Heizflächen und Heizkörper dem neuen Standard anpassen.

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