Donnerstag , 6. Januar 2022

Finanzierung im Einzelhandel – Die günstige Alternative zum Ratenkredit?

 

© George Dolgikh – Fotolia.com

„Jetzt kaufen – später bezahlen.“ So lautet das Angebot vieler Einzelhändler, die Kunden durch verlockende Finanzierungsangebote zum Kauf zahlreicher Produkte anregen möchten. Doch lohnen sich die Null-Prozent-Finanzierungen, Zahlungsaufschübe und attraktiven Monatsraten für Verbraucher wirklich, oder wäre der Abschluss eines Ratenkredites bei einer Bank die bessere Alternative?

Steigende Attraktivität des Ratenkaufs

War die direkte Finanzierung über den Händler früher meist auf Autos beschränkt, ist der Kleinkredit für Konsumenten als Form der Ratenzahlung vor allem im Bereich der (Unterhaltungs-) Elektronik und Einrichtungsgegenstände eine gängige Marketingpraxis zur Umsatzsteigerung geworden. Laut einer Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach haben 22 Prozent aller Befragten schon mal einen Kredit aufgenommen, um eine Wohnungseinrichtung zu finanzieren, 11 Prozent haben Elektronikprodukte wie Computer, Notebooks, Fernseher oder Mobiltelefone mit Ratenzahlung erworben. Damit einher geht der Trend zum „Rückwärtssparen“: Verbraucher sparen sich keinen Betrag zur Finanzierung von Produkten mehr an, sondern kaufen erst und tilgen anschließend die Raten der Kredite.

Finanzierungsangebote als Marketinginstrument

Händler erhoffen sich zusätzlichen Umsatz durch einen Service, der es ermöglicht, sich von der Konkurrenz abzuheben. Durch günstige Finanzierungsangebote, die den Verbrauchern den Erwerb von Waren ermöglichen, die sie erst später in monatlichen Raten bezahlen müssen, entsteht ein zusätzlicher Kaufanreiz. Damit stellt ein Finanzierungsangebot in erster Linie ein Marketinginstrument des Einzelhandels dar. Der Einzelhändler tritt bei der Vergabe der Kleinkredite lediglich als Vertragspartner für den Kaufvertrag auf und erhält bestenfalls eine Provision von der Bank. Der Abschluss des Kreditvertrages erfolgt hingegen mit einer kooperierenden Bank, die als „Absatzfinanzierer“ die Finanzierung abwickelt und die monatlichen Raten erhält. Der Händler hingegen erhält den Kaufbetrag sofort und ohne Ausfallsrisiko von der Bank.

Um wettbewerbsfähige, günstige Finanzierungsangebote anbieten zu können, übernehmen die Einzelhändler häufig die Differenz zu den marktüblichen Zinsen, da sie vom steigenden Umsatz profitieren. Alternativ werden die Kredite durch die Banken subventioniert, die sich durch die Kreditvergabe neue Kunden versprechen. Diese Praxis lehnen jedoch einige Banken ab.

Sofortiger Vertragsabschluss vor Ort

Entscheidet sich ein Kunde für ein Produkt, kann er direkt vor Ort den Kredit abschließen. Jedes Unternehmen bietet dabei unterschiedliche Kreditformen mit ebenso vielen Werbebezeichnungen an, deren Laufzeit meist zwischen 6 und 72 Monaten variiert und häufig einen Mindestkaufbetrag impliziert. Hinzu kommen Zahlungsaufschübe der ersten Rate bis hin zu sechs Monaten, unterschiedliche Zinssätze und ggf. Sondertilgungsoptionen. So sollte auch bei scheinbar günstigen Null-Prozent-Angeboten vor dem Kauf ein umfassender Vergleich durchgeführt werden, da ein Kauf auf Raten durchaus Risiken birgt.

Vergleichen, vergleichen, vergleichen

Gerade bei größeren Anschaffungen, die über mehrere Monate abbezahlt werden müssen, lohnt sich ein Vergleich. Ob Sie beim Händler tatsächlich eine günstige Finanzierung erhalten oder durch hohe Zinsen oder versteckte Kosten einen überhöhten Preis zahlen, lässt sich nur durch einen Angebotsvergleich ermitteln. Zudem besteht unter Umständen auch bei Online-Käufen eine Finanzierungsmöglichkeit. Beim Vergleich sollten mehrere Aspekte berücksichtigt werden:

  • Kaufpreis der Ware bei verschiedenen Anbietern
  • Kreditoptionen bei der Hausbank und an deren Anbietern;. der Vergleich lohnt auch im Internet
  • Vergleich der Finanzierung über den Händler oder evtl. Aufnahme eines Ratenkredites bei einer Bank

Unabhängig davon, ob über den Händler oder eine Bank finanziert wird, sollte die Laufzeit der Finanzierung immer in einem angemessenen Verhältnis zu dem Zeitraum stehen, über den die Anschaffung vermutlich genutzt wird.

Ratenkredit als günstigere Alternative?

In Ausnahmefällen ist der Abschluss eines Ratenkredites bei der Hausbank die günstigere Alternative – z. B. wenn der Kaufbetrag gering, die Bearbeitungsgebühren jedoch hoch sind. Gerade Kleinkredite unter 3.000 Euro werden von vielen Banken oft mit dem Ziel der Neukundengewinnung zu sehr niedrigen Zinsen angeboten. Meist stellt jedoch die Finanzierung über den Einzelhändler die bessere Wahl dar, da die Zinsen niedriger sind als beim Dispo- oder Ratenkredit. Von Kundenkarten, die in Form eines Revolving-Kredits die Ratenzahlung ermöglichen, sollte man aufgrund der extrem hohen Zinsen Abstand nehmen. Diese Form der Kreditkarte, die häufig als Kundenkarte ausgegeben wird, beinhaltet eine Teilzahlungsfunktion, bei der die monatlichen Raten frei wählbar sind.

Vorsicht bei versteckten Kosten

An irgendeiner Stelle in der Kalkulation sind die Finanzierungskosten sicher mit eingerechnet, auch wenn sie für den Kunden nicht ersichtlich sind. Trotz der verlockenden Angebote der Null-Prozent-Finanzierung sehen sich die Verbraucher deshalb nicht selten versteckten Kosten wie Bearbeitungsgebühren oder sonstigen Gebühren seitens der kooperierenden Bank gegenüber, die den effektiven Jahreszins bei geringen Kreditsummen schnell auf 7 Prozent und mehr ansteigen lassen. Diese Kosten erschweren die Vergleichbarkeit der Angebote, da sie in der Werbung nicht erwähnt werden, sondern sich erst durch einen Blick in die Vertragsbestimmungen oder einer Nachfrage beim Händler ermitteln lassen.

Beispiel: Bei einem Einkauf im Baumarkt liegt der effektive Jahreszins nach Angaben des Unternehmens zwischen 0 und 7,8 Prozent. Die Bearbeitungsgebühr von 3,9 Prozent seitens der Bank wird jedoch nicht zusätzlich ausgewiesen und treibt die tatsächlichen Kosten zusätzlich in die Höhe. Ein Möbelhaus bietet beispielsweise eine Finanzierung von 1.000 bis 15.000 Euro mit Laufzeiten von 12 bis 72 Monaten bei einem effektiven Jahreszins von 4,95 Prozent an. Hinzu kommt eine einmalige Kontoführungsgebühr von 39 Euro. Will man den vollen Einkaufsbetrag einfach nur im Folgemonat zahlen, fallen bei der Nutzung der Bezahlkarte keine zusätzlichen Kosten an, ansonsten werden jedoch 14,95 Prozent erhoben.

Vor dem Kauf: Schufa-Auskunft

Wenngleich der Kreditvertrag vielfach sogar ohne Einkommensnachweise abgeschlossen werden kann, da die Kreditsummen meist unter 5.000 bzw. sogar unter 1.000 Euro liegen, wird der Händler vor dem Abschluss des Kaufvertrages eine Bonitätsprüfung bei der Schufa durchführen. Das Ergebnis der meist online durchgeführten Prüfung entscheidet letztlich darüber, ob dem Kunden ein Kredit bewilligt wird oder nicht. Darüber hinaus sind unter Umständen der Nachweis eines deutschen Bankkontos und ein Wohnsitz in Deutschland Bedingung. Wer die Voraussetzungen nicht erfüllt, erhält entweder eine Absage oder muss der Bank andere Sicherheiten zu stellen. Vorsicht: Wer immer wieder auf Pump kauft, kann dadurch langfristig seine Bonität verschlechtern.

Restschuldversicherung

Viele Finanzdienstleister drängen die Kunden zum Abschluss einer Restschuldversicherung. Diese tritt ein, wenn ein Kreditnehmer die monatlichen Raten durch unverschuldete Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Tod nicht mehr bedienen kann. Hiervon ist jedoch in der Regel bei kleineren Konsumkrediten abzuraten (bei Autokrediten oder Immobilienfinanzierungen hingegen teilweise sinnvoll), da die Versicherung teuer, die Voraussetzungen zum Eintritt eines Versicherungsfalles hoch und die Kreditraten meist vergleichsweise gering sind.

Widerrufsfrist bei Krediten über 200 Euro

Nicht immer erfolgt vor dem Kauf ein umfassender Vergleich der Angebote, sodass es gerade durch den Kaufanreiz der Finanzierungsoption zu Impulskäufen kommt, die der Käufer schon bald bereut. Hier bietet ein Kredit im Gegensatz zur Barzahlung eine Besonderheit: Ein Käufer kann den Kredit ab einer Summe von 200 Euro binnen einer Frist von 14 Tagen widerrufen. Damit wird zugleich der Kaufvertrag hinfällig und der Händler muss die Ware zurücknehmen.

Dies gilt jedoch nicht bei Barzahlung und beim Abschluss einer 0 %-Finanzierung ohne weitere Zusatzkosten. Dieser Kredit ist gratis und kann dementsprechend nicht widerrufen werden.

Vorsicht vor der Schuldenfalle

Es ist verlockend, sich bei Bedarf einen neuen Fernseher, einen Computer oder ein neues Mobiltelefon anzuschaffen, wenn man sich zunächst keine Gedanken über die Finanzierung machen muss, da nicht einmal der Weg zur Bank notwendig ist. Für Verbraucher macht es die Ratenzahlung oft erst möglich, sich teure Anschaffungen leisten zu können, wenn eigentlich das benötigte Geld fehlt. Der befristete Aufschub kann jedoch schnell dazu führen, dass der Käufer den Überblick verliert, eines Tages mehr monatliche Raten zu bedienen hat, als er sich leisten kann und damit überschuldet ist.

Vor der Anschaffung von Waren über einen Kredit sollte man also genau rechnen, zumal die Raten in jedem Fall bezahlt werden müssen, – auch dann, wenn sich die Einkommensverhältnisse verschlechtern. Die monatlichen Tilgungsraten sollten damit nie am finanziellen Limit sein, sondern gerade bei längeren Laufzeiten zusätzliche Engpässe berücksichtigen.

 

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Tipp: Null-Prozent-Finanzierung als Verhandlungsargument

Wer mittels Barzahlung bzw. Zahlung per ec-Karte einkauft, kann mit etwas Verhandlungsgeschick Rabatte auf die Produkte mit einer Null-Prozent-Finanzierung aushandeln. Da die Kosten der Finanzierung nicht selten durch den Händler getragen werden, erlauben finanzierte Waren geringere Gewinnspannen als der Verkauf über Baar-/ec-Zahlung. Dieser Preisvorteil, der für die Händler durch die sofortige Zahlung entsteht, kann als Argument für eine Rabattanfrage genutzt werden.

Wann ist das Finanzierungsangebot im Einzelhandel günstig?

Grundsätzlich ist eine Null-Prozent-Finanzierung oder ein anderes günstiges Angebot des Einzelhandels zur Finanzierung von Anschaffungen eine gute Sache für den Kunden, der sich die Raten leisten kann und vorab die Preise und Konditionen vergleicht. Vorteile gegenüber anderen Kreditformen sind z. B.:

  • Direkter Vertragsabschluss vor Ort und sofortige Mitnahme der Ware
  • Überschaubarkeit von Laufzeit und Raten sorgen beim Kreditnehmer für einen guten finanziellen Überblick.
  • Die Zinsen sind günstiger als beim Dispokredit.
  • Nachdem die Bank die Bonität des Kreditnehmers geprüft wurde, erfolgen unmittelbar die Kreditzusage und die Auszahlung.

Doch haben Finanzierungsangebote auch zahlreiche Nachteile:

  • Häufig werden durch Werbeangebote Käufe getätigt, die sich ein Konsument nicht leisten kann.
  • Die Finanzierung gilt oft nicht für das gesamte Sortiment des Händlers, für viele Produkte gilt der Standardzins.
  • Die Angebote enthalten häufig versteckte Kosten und sind damit nicht nur schwer vergleichbar, sondern häufig auch teurer als zunächst angenommen.
  • Der Überblick über die Finanzen kann verloren gehen, wenn mehrere Ratenkäufe getätigt werden. Es droht die Gefahr der Überschuldung. Die Null-Prozent-Finanzierung verliert bereits dann ihren Vorteil, wenn die monatliche Rate nur mithilfe des Dispokredits auf dem Girokonto aufgebracht werden kann.
  • Insbesondere bei Krediten über 1.000 Euro kann manche Bank günstigere Darlehen anbieten, als sie im Einzelhandel zu finden sind.

Um von einem Kredit im Einzelhandel zu profitieren, ist ein umfangreicher Vergleich und ein hinreichender Überblick über die eigene Finanzlage notwendig. Dann lassen sich günstige Angebote nutzen und eine Kostenersparnis erzielen. Es sollten jedoch stets Alternativen in Betracht gezogen werden: Die ersparte Mehrwertsteuer ist z. B. mehr wert als eine Null-Prozent-Finanzierung für zwölf Monate.

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