Dienstag , 2. März 2021

Ohne Krankenversicherung zum Arzt – Wissenswertes und Lösungen

In Deutschland besteht zwar eine allgemeine Krankenversicherungspflicht, dennoch gibt es bestimmte Menschengruppen und Einzelfälle, die nicht versichert sind. Sie können entweder ihre Rechnungen beim Arzt selbst begleichen oder müssen sich nach sinnvollen Alternativen zu den gesetzlichen und teuren privaten Krankenversicherungen umsehen.

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Bild von silviarita auf Pixabay.

Ohne Krankenversicherung – ist das überhaupt möglich?

Ja. Obwohl seit 2009 deutschlandweit eine Pflicht zur Krankenversicherung besteht, gibt es einige Ausnahmen und Sonderfälle.

Menschen, die ihre Beiträge für die private Krankenversicherung nicht mehr aufbringen, können zunächst ohne Versicherungsschutz sein.
Dasselbe tritt ein, wenn der private Krankenversicherer den Vertrag seinerseits aus irgendeinem Grund (bestehende Krankheiten, Alter usw.) gekündigt hat.

Deutsche Rückkehrer aus dem Ausland, die noch nicht wieder einer geregelten Arbeit nachgehen, oder voll ins deutsche Sozialversicherungsnetz zurückgekehrt sind, können zeitweise ebenfalls ohne Krankenversicherung sein.

Eine weitere Gruppe sind ausländische Einwanderer aus EU-Staaten und anderen Ländern, die noch nicht Fuß gefasst haben.

Schätzungen zufolge haben mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland trotz Versicherungspflicht keine Krankenversicherung. Strafbar ist dieser Umstand übrigens nicht.

Ohne Krankenversicherung zum Arzt

Es ist im Grunde kein Problem, ohne Krankenversicherung zum Arzt zu gehen. Der behandelt den Patienten dann wie einen Privatversicherten und schickt nach der Behandlung eine Rechnung.

Hat der Arzt Anlass zu Zweifeln, dass die Rechnung nachher auch beglichen wird, kann er die Behandlung verweigern, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt.

Arztrechnungen selbst zu bezahlen ist bei kleineren oder seltenen Behandlungen in der Regel problemlos möglich. Bei chronischen oder schweren Erkrankungen können immense Summen zusammenkommen. Ist die wirtschaftliche Lage eines Patienten sowieso schon angespannt, nehmen Behandlungskosten rasch ein bedrohliches Ausmaß an.

Haben sich Rechnungen angehäuft, wird nicht nur die persönliche Situationen schwieriger, sondern auch die Rückkehr ins gesetzliche Krankenversicherungsnetz fast aussichtslos.
Es ist übrigens auch keine Generallösung, Sozialhilfe zu beantragen. In bestimmten Fällen wird nämlich auch hier die Krankenversicherung verweigert oder Hilfen auf ein absolutes Minimum beschränkt.

Notfälle und Schwangere werden immer behandelt

Wer mit einer akuten Verletzung, starken Schmerzen oder einer lebensbedrohlichen Erkrankung zum Arzt kommt, wird in Deutschland immer behandelt – ob er nun versichert ist oder nicht.

Allerdings bekommen Patienten auch hier später eine Rechnung präsentiert. Nur wenn Betroffene absolut nicht zahlungsfähig sind, werden Sozialämter zur Not dafür aufkommen. Die Schuld gegenüber dem Staat und weitere Probleme bei Formalitäten und Wiedereingliederungsbemühen bleiben bestehen.

Ähnlich liegt der Fall bei Schwangeren und Frauen, die vor Kurzem erst geboren haben. Sie bekommen immer eine Grundversorgung, mehr aber auch nicht.

Warum die Wiedereingliederung schwer sein kann

Die gesetzlichen Krankenkassen reagieren sehr sensibel auf Rückkehrer. Normalerweise besteht die Möglichkeit, sich in den gesetzlichen Kassen auch ohne bestehendes Arbeitsverhältnis freiwillig zu versichern.

Antragsteller werden auf Herz und Nieren überprüft oder auch schlicht abgelehnt. Die angespannte Situation im deutschen Gesundheitssystem, Leistungsmissbrauch und der Druck, der durch Flüchtlinge und die Pandemie entstanden sind, werden die Situation zukünftig eher noch verschlimmern, denn einfacher machen.

Gibt es denn gar keine einfache Lösung?

Doch, die gibt es. Eine sehr gute Möglichkeit, sich vorübergehend abzusichern stellen die Europäischen Krankenversicherungen dar.
Natürlich können diese Verträge auch langfristig mit beliebigem Leistungsvolumen geschlossen werden. Allerdings entsprechen die Bestimmungen der Europäischen Krankenversicherungen momentan noch nicht den gesetzlichen Richtlinien in Deutschland.

Im Klartext bedeutet dies, dass Versicherte der Europäischen Krankenversicherung in den Genuss fast ebenbürtiger Ausgleichsleistungen kommen – nur ist diese Art der Krankenversicherung in Deutschland offiziell bisher nicht anerkannt.

Da der Umstand, keine Krankenversicherung zu haben, aber auch nicht strafbar ist, handelt es sich dabei um einen vernachlässigbaren Graubereich.

Für Patienten sollte im Endeffekt nur ausschlaggebend sein, dass ein zuverlässiger Schutz hohe Rechnungen abdeckt und die persönliche finanzielle Belastung nicht weiter verschlimmert wird.

Die Mitgliedschaft in den europäischen Kassen kann eine gute Basis für eine spätere Rückkehr in die deutschen Versicherungen darstellen.

Wie funktioniert die Versicherung bei den Europäischen Krankenversicherern?

Anträge können in der Regel unkompliziert über das Internet oder einen Versicherungsmakler gestellt werden.

Die Aufnahme in der Europäischen Krankenversicherungen ist viel einfacher, als dies bei den gesetzlichen deutschen Kassen oder den privaten Versicherungsunternehmen der Fall ist.

Versicherungswillige füllen eine Selbstauskunft aus und bekommen binnen zwei bis drei Tagen die Zusage zur Versicherung.

In der Selbstauskunft dürfen keine Falschangaben gemacht werden. Andernfalls kann der Versicherer nachher die Kostenübernahme selbstverständlich verweigern.

Weitere Vorteile der Europäischen Krankenversicherung im Überblick:

  • keine Gesundheitsprüfung
  • voller Versicherungsschutz ab dem 1. Tag
  • keine Schufa oder sonstigen Finanzauskünfte
  • keine Ablehnung aufgrund von Alter, Berufsgruppe oder Nationalität
  • Basis für die Wiedereingliederung ins deutsche Krankenversicherungssystem
  • moderate monatliche Beiträge

Daneben bieten die meisten Europäischen Krankenversicherer sogar die Möglichkeit der Kostenübernahme von kurz vor Vertragsabschluss entstandenen Arztrechnungen. Dies muss bei der Antragsstellung sofort angegeben werden.

Was, wenn auch diese Möglichkeit nicht besteht?

Wenn selbst die Europäischen Krankenversicherungen die Mitgliedschaft verweigern oder die finanziellen Mittel für Beträge fehlen, gibt es immer noch einen Weg.

Die Malteser Hilfsorganisation unterhält in Deutschland ein dichtes Netz an Anlaufstellen für Menschen in Notsituationen. Unter dem Namen „Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ finden sich die Stützpunkte in fast jeder größeren deutschen Stadt. Hier bekommen Betroffene allerdings auch nur eine Notfallversorgung und eventuell weitere Hilfsangebote für die erfolgreiche Rückkehr ins soziale Netz.

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